Musik ist unerschöpflich.
Die Annäherungen an sie auch.

Anne Friederike Greuner
“Anne Friederike Greuners Spiel zeichnet sich durch sehr persönliche, leuchtende Tonschönheit aus. (…) Dabei ist ihre Gestaltungsfähigkeit von natürlicher Musikalität, großer Intelligenz und außergewöhnlicher Reife (…) geprägt", 

Tanja Becker-Bender, Geigenprofessorin an der HfMT Hamburg.
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Der Interpret allein ist noch nichts.
Es braucht das Werk des Komponisten, ein interessiertes Publikum sowie Raum und Zeit. Außerdem das ehrliche Anliegen aller Beteiligten, der erklingenden Musik einen Platz im eigenen Sein einzuräumen.

Biografie

Biografie Anne Friederike Greuner

Biografie

Anne Friederike Greuner erhielt ihren ersten Geigenunterricht im Alter von vier Jahren. Während ihres Studiums an der HfMT Hamburg, in der Klasse von Prof. Christoph Schickedanz, vertiefte die Berlinerin ihren musikalischen Ausdruck und vervollkommnete ihre technische Souveränität.

Während ihres Masterstudiums am Salzburger Mozarteum, in der Klasse von Prof. Benjamin Schmid überzeugte sie als Solistin, Konzertmeisterin und in kammermusikalischer Funktion. Durch Meisterkurse bei Persönlichkeiten wie Ingolf Turban, Shmuel Ashkenasi, Mauricio Fuks, Ulf Hoelscher und Tanja Becker-Bender erlangte sie immer neue musikalische Impulse.
2014 gab Anne Friederike Greuner ihr Debüt mit der Hamburger Camerata und brillierte vielfach als Preisträgerin auf Wettbewerben im In- und Ausland. Seither tritt die gefragte Musikerin regelmäßig europaweit auf.

Anne Friederike Greuner war seit Studienbeginn Stipendiatin des Deutschlandstipendiums, der Karl-und-Else-Wilke Stiftung, sowie der Oscar-und-Vera-Ritter-Stiftung. Derzeit wird sie durch ein Stipendium des DAAD gefördert.
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Biografie Anne Friederike Greuner
“Anne Friederike Greuners Spiel zeichnet sich durch sehr persönliche, leuchtende Tonschönheit aus. (…) Dabei ist ihre Gestaltungsfähigkeit von natürlicher Musikalität, großer Intelligenz und außergewöhnlicher Reife (…) geprägt", 

Tanja Becker-Bender, Geigenprofessorin an der HfMT Hamburg.

Interview

Anne im Gespräch mit dem Kulturjournalisten Holger Heimann.
Was bedeutet Musik für Dich?
Musik ist meine Heimat.
Wann und wie fing Deine besondere Beziehung zur Musik an?
Ich glaube, das erste Mal Kontakt zu Musik hatte ich, als es mich noch gar nicht richtig gab. Als meine Mutter mit mir schwanger war, hat sie täglich Querflöte geübt. Sie erzählt, dass ich darauf immer mit Schluckauf reagiert hätte (lacht). Sicher haben mich diese frühen musikalischen Erfahrungen in irgendeiner Form geprägt – in jedem Fall habe ich bereits Melodien gesungen, bevor ich gesprochen habe, und seit ich mich erinnern kann, bin ich zu Aufnahmen eingeschlafen, die meine Eltern abends im Nebenzimmer gehört haben. Mischa Maiskys und Martha Argerichs Einspielung der Bachschen Cello- bzw. Gambensonaten versetzen mich heute noch in einen Zustand kindlichen Wohlbehagens.
Wie steht es mit Jazz oder Pop? Hörst Du so etwas auch?
Ab und an gerne, doch oft höre ich auch keine Musik. Ich spiele selber so viel, bin umgeben von anderen Musiker:innen und wenn ich nach Hause komme, höre ich Hörbücher oder Radio, in dem keine Musik läuft. Stille ist etwas, das ich sehr zu schätzen weiß.
Am Anfang steht eine erste klangliche Vorstellung (…). Und dann beginnt eine Entdeckungsreise.
Wie wurdest Du zur Berufsmusikerin?
Schon früh habe ich genau hingehört, wenn meine Suzuki-Kollegen etwas konnten, was ich noch nicht konnte, oder jemand mit einem besonders schönen Klang gespielt hat. Das hat mich immer angespornt, denn ich wollte auch gut klingen. Und so habe ich mich seit dem vierten Lebensjahr viel mit der Geige beschäftigt. Beispielsweise gab ich all meinen Kuscheltieren Geigenunterricht und habe ihnen täglich vorgespielt. Sie waren immer begeistert (lacht). Als Jugendliche gab es kein Zurück mehr. Musik und speziell die Geige sind zu einem solch großen Teil meines Lebens geworden, dass ich irgendwann wusste: Ich muss Musikerin werden. Es war ein ganz natürlicher Prozess.
Hat sich Deine Beziehung zur Musik danach verändert?
Sie hat sich noch intensiviert: wenn man den ganzen Tag Musik macht und sich mit anderen darüber austauscht, dann werden Musik und Leben so ziemlich eins.
Was hat Dich im Laufe Deiner bisherigen beruflichen Laufbahn besonders geprägt?
Die Erkenntnis, dass mein eigenes Wohlbefinden für einen uneingeschränkten musikalischen Ausdruck unerlässlich ist. Je wohler ich mich in und mit meinem Umfeld fühle, desto freier und unbefangener kann ich mich musikalisch ausdrücken.
Was bedeutet Geige spielen für Dich?
Freude und Selbstverwirklichung. An einigen Tagen klappt das besser als an anderen und manchmal ist es sogar frustrierend. Doch selbst in diesen Momenten spüre ich meine starke Verbindung zur Geige und kann mir mein Leben ohne sie nicht vorstellen. Denn wenn ich Geige spiele, erlebe ich mich als komplett.
In letzter Instanz verlasse ich mich (…) auf meinen musikalischen Instinkt.
Wie näherst Du Dich einem neuen Werk?
In einer Kombination aus musikalischer Idee, Körpergefühl und Analyse. Am Anfang stehen eine erste klangliche Vorstellung, eine musikalische Idee und eine möglichst große Vorfreude auf das Werk. Und dann beginnt eine Entdeckungsreise. Es ist vielleicht vergleichbar mit der Art wie ich male: Ich habe eine Idee, eine Farbvorstellung und lege los. Möglichst ohne zu beurteilen. Dann trete ich einen Schritt zurück und schaue, was dabei herausgekommen ist. Danach fange ich an, hier und da mehr ins Detail zu gehen, immer wieder etwas hinzuzufügen, zu verändern, wieder wegzunehmen. Bis sich eine stimmige Landschaft ergibt. Übertragen auf das Instrument ist es der Moment, wo es sich beim Spielen körperlich gut anfühlt. Diese Arbeit ist oftmals ganz technisch und fast schon detektivisch: Woran liegt es, dass es noch nicht so klingt, wie ich möchte? Die Suche nach dem passenden Klang, eine wohlwollende und gleichwohl strenge Fehleranalyse, die Aufmerksamkeit für das eigene Tun, das wertungsfreie Ausprobieren – all diese Dinge sind Teil des schöpferischen Prozesses.
Du malst auch?
Dabei bekomme ich den Kopf frei. Es ist etwas, das ich nur für mich tue und die Resultate sind keineswegs professionell (lacht).
Bachs Musik übt auf viele Menschen einen besonderen Zauber aus. So auch auf mich.
Welche Rolle spielt das Wissen um Werk und Komponist?
Ein umfassendes Hintergrundwissen führt in meinen Augen zu mehr Vertrautheit mit dem Werk und hilft mir bei der Suche nach der persönlichen Interpretation. Auch Informationen zu Entstehungsumständen sind meist sehr spannend. Gleichzeitig bin ich der Überzeugung, dass ein gutes Werk für sich alleine stehen kann und Zuhörende es als solches erleben können sollten. Alles Wissen der Welt führt nicht zwingend zu einem überzeugenden Vortrag. In letzter Instanz verlasse ich mich daher immer auf meinen musikalischen Instinkt.
Gibt es einen Komponisten, der Dich besonders fasziniert?
Johann Sebastian Bach. Derzeit beschäftige ich mich unter anderem mit seiner C-Dur Sonate (BWV 1006). BWV 1001-1005 habe ich bereits gespielt und würde gerne den gesamten Zyklus in mein Repertoire aufnehmen. Bachs Musik übt auf viele Menschen einen besonderen Zauber aus. So auch auf mich. Die Tiefe, Intensität und Kraft, die seiner Musik innewohnen, berühren und faszinieren mich immer wieder aufs Neue. Die sechs Solosonaten und Partiten für Violine stellen für mich als Geigerin einen zentralen Bezugspunkt dar.
Was liebst Du an Deinem Beruf am meisten?
Die enorme Vielfalt. Wenn man es möchte, gleicht kein Tag dem anderen. Es gibt immer etwas zu entdecken: neue Werke, Neues in altbekannten Werken, interessante Kolleginnen und Kollegen, das Spielen in unterschiedlichen Konstellationen; dazu kommt die freudige Anspannung vor einem Auftritt, Spontanität auf der Bühne und die Verbindung mit den Zuhörenden. Außerdem ist das Repertoire für Geige groß, es gibt immer noch tolle Werke, die selten gespielt werden. Zum Beispiel das Violinkonzert von Bernd Alois Zimmermann, das ich kürzlich neu in mein Repertoire aufgenommen habe.
Und neben der Musik – was interessiert Dich noch?
Tja, wie gesagt male ich gern. Und sonst liebe ich das Segeln, lerne Französisch, verbringe Zeit in der Natur und schaue Snooker. Das glaubt man vielleicht nicht, aber ich finde, Snooker ist ganz ähnlich wie Geige spielen!
Anne Friederike Greuner Im Interview
"Wenn Anne auf der Bühne steht, dann denkt man, sie sei mit der Geige geboren worden."
Dr. Matthew Werley, Musikwissenschaftler am Richard Strauss Institut.
© 2005 - 2021 Anne Greuner
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