Ferien ohne Musik - Mein Umgang mit Übepausen.

Von Anne am 31.07.2021

In einigen Berufen ist es ganz klar: Wenn der Dienst, die Schicht, die Arbeitszeit vorbei sind, dann beginnt die Freizeit. Diese hat oft wenig oder gar nichts mit dem Job zu tun, den man zu geregelten Zeiten ausübt. Und dann gibt es Berufe, die man selbst währen des Familienurlaubs weiter verfolgt.

Auch bei professionellen Musiker:Innen fehlt häufig die konkrete Trennung zwischen Arbeits- und Freizeit. Das hat zur Folge, dass es sehr unterschiedliche Haltungen zum Thema „Übepausen“ gibt. Manche üben ganz selbstverständlich auch an hohen Feiertagen und machen nur Pause, wenn sie krank werden. Die nächsten üben zwar während des Urlaubs kein Repertoire, spielen aber doch täglich eine Tonleiter. Und wieder andere legen das Intrument während des Sommers mehrere Wochen am Stück komplett weg.

Durch einen Kollegen, der mir vor einigen Jahren ein Projekt absagte mit der Begründung, er würde in dieser Zeit eine Woche ohne Instrument in den Urlaub fahren, habe ich mir während meines zweiten Jahres des Bachelorstudiums zum ersten Mal Gedanken darüber gemacht, ob Ferien ohne Instrument für mich überhaupt in Frage kommen. Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich dies aus der Sorge heraus, an Spielniveau einzubüßen, noch nie ausprobiert: Was, wenn meine Finger
langsamer, meine Konzentrationsfähigkeit schwächer, meine Bogenführung willkürlich werden würden?

Mittlerweile mache ich immer wieder Geigenpausen, wenn auch keine ganze Woche. Nicht mehr aus Sorge, sondern weil ich die Musik, die Haptik der Geige und den Übeprozess sonst vermisse. Außerdem hängt ein Pausenzeitpunkt von verschiedensten Faktoren ab: bis wann muss ich welche Werke gelernt haben? Ist das Repertoire des anstehenden Projektes neu? Wie viele Proben mit den Kolleg:Innen sind angesetzt und wo finden diese statt? Wie geht es mir körperlich, wie lange ist meine letzte Pause her und wie ist mein allgemeines Energielevel?

Schon mehrfach habe ich die Erfahrung gemacht, dass mir zwei bis drei Tage Abstand vom Instrument in gewissen Abständen sowohl körperlich, als auch musikalisch gut tun können, sofern ich sie mit für mich wohltuenden, angenehmen Dingen verbringe.

So plane ich für diesen Sommer einige geigenfreie Tage auf dem Land. Besonders freue ich mich auf ruhige Spaziergänge durch den Wald, die Abwesenheit von Verkehrslärm und darauf, draußen im Schatten zu lesen. Ich bin sehr dankbar, dass ich zu der Gruppe Menschen gehöre, die sich mit ihrem beruflichen Tun stark identifizieren und große Freude und Erfüllung bei seiner Ausübung erfahren. Ferien ohne Musik – das bleibt wohl ein immerwährendes Abwägen.

© 2005 - 2021 Anne Greuner
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